Angst und Gier – was hatte Goethe uns da schon voraus?

Immer wieder taucht bei Menschen das Paradoxum auf – Erst sind sie vor Gier auf Erfolg, Gewinn, Lust, Befriedigung so euphorisch, dass sie blind alles tun, in alles investieren, weil es alle tun. Dann passiert natürlich, was passieren muss… es geht auch mal was schief, weil doch nicht alles gelingt, gelingen kann. Jetzt kippt die Gier schlagartig in abgrundtiefe Angst.
Egal, was sich ab sofort für Möglichkeiten auftun und unabhängig davon, wieviel Erfolge jemand auch schon erzielt hat, jetzt wird überhaupt nichts mehr getan. Lieber soll alles vertrocknen oder verfaulen, als es zu verlieren. (Einen Unterschied sehe ich in der Betrachtung nicht)
Als mich ein guter Freund eines Tages wieder mit einer solchen, durchaus verständlichen, Sichtweise konfrontierte, versuchte ich nicht,ihn eines Besseren zu belehren oder umzustimmen, sondern sandte ihm meine folgenden Gedanken und eigenen Erkenntnisse dazu:

Deine Ansicht kann ich grundlegend und gut nachvollziehen.

Dazu will ich hier nur ein paar Denkanstöße geben, die für uns immer wieder ein wichtiges Kriterium sind. Denn das ist ja kein neues, sondern eher altbekanntes menschlich, psychologisches Phänomen.

Dies hatte ja unser alter, guter Goethe schon treffend erkannt und in seinem Lebenswerk dem Faust 1. Teil Vers. 1338ff durch Mephistopheles treffend aussprechen lassen: „Ich bin der Geist, der stets verneint! // Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, // Ist wert, daß es zugrunde geht; // Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.

Da stecken so tiefgreifende inhaltliche Zusammenhänge drin, die ich hier nicht insgesamt erörtern will. Doch das Zitat endet mit dem Gegensatz, der das Dilemma der Hilflosigkeit in solchen Fragen bestens darstellt und doch nicht, oder nur schwer erkennen lässt. …Drum besser wär’s, daß nichts…

Wir haben immer die Wahl zu treffen und leider können dabei immer beide Entscheidungen, zu einem unerwünschten Resultat führen.

Vielleicht durfte ich gerade deshalb meine Abiturprüfung auf den Faust machen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt die Tragweite und Zusammenhänge noch nicht im Entferntesten so erkannt habe, wie heute.

Deshalb hier nur ein paar Denkanstöße

  • Der Bauer, der eine Missernte erlitten hat, steht vor der Wahl, die Saat in Zukunft „besser“ in der Scheune festzuhalten (obwohl sie dann auch vergeht), oder doch erneut zu säen und vielleicht zu ernten, oder doch erneut die Schmach des Niedergangs zu erleben. (drum besser wär´s….)
  • Der Fahrer der trotz Erfahrung und Achtsamkeit doch einen Unfall erleidet, bei der sein Leben auf Messers Schneide geriet, steht vor der Wahl, den Beruf zu wechseln, um vielleicht nicht mehr diesem Risiko ausgeliefert zu sein, weite Strecken im Risiko des Verkehrs zurückzulegen  ( „Werd ich zum Augenblicke sagen: // Verweile doch! Du bist so schön! // Dann magst du mich in Fesseln schlagen, // dann will ich gern zugrunde gehn!“ Vers. 1700ff Faust selbst) oder sich erneut in die Freude und Gefahr zu stürzen, obwohl ihm das sogar seine Existenz an sich kosten kann.
  • Der Läufer, so wie ich, erleidet in der Euphorie seiner kurzfristigen Erfolge einen Rückschlag, Überlastungsbrüche, weil nicht alle seine Knochen, Sehnen, Muskeln, Kreislauf, Lunge sich gleichmäßig an die ungewohnte, neue Belastung gewöhnen konnten. (Wie kann ich mir mit 50+ auch solchen Schwachsinn antun, Halbmarathon oder mehr, das kann der Körper mit 50+ doch garnicht mehr, oder?) Er hat jetzt die Wahl, nicht mehr zu laufen und damit andere Problemchen in Kauf zu nehmen, oder schrittweise vorzugehen, damit sich alle Gruppen seines Körpers gleichmäßig, schrittweise wieder anpassen und entwickeln.
  • und dann unser liebes Geld, es ist grundlegend doch „nur“ das Blut des Wirtschaftskreislaufs. Keine Leber würde auf die Idee kommen, doch jetzt das Blut dem Kreislauf zu entziehen, nur um sich zu freuen, das „sie“ es hat. Wahrscheinlich würde dies im Körper binnen kurzer Zeit zum Kollaps führen. In der Wirtschaft des Menschen wird geglaubt, das ginge anders. Jeder hält etwas fest und wir wundern uns, dass was auch immer nicht funktioniert. Wir pumpen einfach immer mehr Geld (Blut) in den Kreislauf und glauben, die Wirtschaft würde wieder funktionieren. Dabei lässt sich das doch leicht erkennen.
    Pumpen wir doch einfach mal etwas mehr Blut in den Körperkreislauf, wie im genannten Beispiel  mit der Leber. Was passiert…??? Was muss also mit dem Bargeld oder dem Wirtschaftskreislauf früher oder später passieren????

Nur ein paar Denkanstöße, die wir immer wieder in unsere inzwischen immer feiner angepasste Strategie einbringen. Vielleicht hat eben genau deshalb wieder unser lieber Goethe im Faust´Vers 1966 einen Schüler !!!! – also ein sprichwörtliches Greenhorn- die widersprüchlichen Worte sagen lassen: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, // Kann man getrost nach Hause tragen.“

Was wollte er uns damit hinterlassen? Ich glaub inzwischen persönlich, er hat nur seine eigenen Erkenntnisspirale festgehalten. Er konnte sich- Gott sei Dank- den Luxus leisten, unverblümt die Wahrheit zu sagen, obwohl sie ja doch, und das für die meisten noch heute,  schwer zu verstehen ist. Aber so ist es eben mit der Wahrheit.

Ja und da schließt sich doch der Kreis der Antagonismen. „.. drum besser wärs, wenn nichts…“

Aus meiner Sicht reicht dieses geniale Werk nahezu vollständig aus, um die Trag-weite (-ödie) menschlichen Handelns zu verstehen und uns weiter auf die Gratwanderung unseres Lebens zu begeben.

In diesem Sinne- Halten Sie schön fest, oder   ( „Werd ich zum Augenblicke sagen: // Verweile doch! Du bist so schön! // Dann magst du mich in Fesseln schlagen, // dann will ich gern zugrunde gehn!“

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