Schifffahrtskrise – und keine Ende in Sicht- auch ein Thema für Frontline

Die weltweite Seeschifffahrt befindet sich mittlerweile im fünften Jahr ihrer Krise. Es ist die schwerste und mittlerweile auch die längste Krise in Friedenszeiten. In so gut wie allen Schifffahrtssegmenten liegen das Angebot und die Nachfrage nach Tonnage immer noch zu weit auseinander. Hinweise zu Frontline in der Wertpapierinformation

Bremen (jsl). Besonders ist nach wie vor die Containerschifffahrt betroffen. Die letzten Monate zeigten über die verschiedenen Größenklassen uneinheitliche Tendenzen mit jeweils nur geringen Veränderungen. Diese Seitwärtsbewegungen lassen darauf schließen, dass zumindest eine Bodenbildung erreicht ist. Vor einem Jahr bestand noch die Hoffnung, dass sich die Märkte in 2013 langsam erholen werden. Zwischenzeitlich gehen immer mehr Marktteilnehmer davon aus, dass mit einer Erholung frühestens in 2014 gerechnet werden könne. Zwar haben die Verschrottungsaktivitäten weltweit stark zugenommen, jedoch bleibt ein Angebotsüberhang auch deshalb wahrscheinlich, weil immer noch Containerschiffe mit einer Stellplatzkapazität von über 10.000 TEU bestellt und in Fahrt gebracht werden. Die Weltwirtschaft erholt sich nicht so dynamisch wie erhofft. Zudem dürften die Steigerungsraten im Containerverkehr von annähernd zehn Prozent und höher dauerhaft der Vergangenheit angehören. Die Produktion rückt tendenziell dichter an die Verbrauchermärkte heran und der maximale Containerisierungsgrad ist mittlerweile nahezu erreicht.Auch in den anderen Schifffahrtssegmenten deuten die Seitwärtsbewegungen darauf hin, dass die Reeder erst mittelfristig wieder mit einer etwas erfreulicheren Marktlage rechnen können. Bis dahin gilt es für viele Reeder, die Zeit möglichst ohne größere Schäden oder Verluste zu überstehen. Dort, wo noch die laufenden Betriebskosten erzielt werden können, sind durchaus Chancen vorhanden, mittelfristig wieder in die Gewinnzone zurückzufahren. Voraussetzung ist eine ausreichende Substanz und ein gemeinsames Verständnis von Reedern, schiffsfinanzierenden Banken und Gesellschaftern. Immer wieder melden sich Stimmen zu Wort, die behaupten, dass nur größere Reedereieinheiten zukunftsfähig sein können. Ob die Branche vor einer breiten Konsolidierung steht und ob größere Reedereien mit vielen Schiffen tatsächlich die erhofften Skaleneffekte erzielen können, bleibt umstritten. Die deutsche Seeschifffahrt ist mittelständisch strukturiert, so auch in Bremen. Rund 50 Prozent der Reedereien bereedern zwischen 6 und 20 Schiffe, knapp 40 Prozent weniger als fünf Schiffe. Nach Schiffstypen sortiert zeigt sich der Bremer Schifffahrtsstandort diversifiziert strukturiert: Die Containerschiffe machen ein knappes Viertel aller Schiffe aus. Die Zahl übersteigt damit knapp die der Tanker, die deutlich über 20 Prozent liegt. Die Bulker haben einen Anteil von knapp 15 Prozent, die Multipurpose-Schiffe einen Anteil von knapp 10 Prozent. Die Schwergutschiffe machen nur noch rund 5 Prozent aus. Über 20 Prozent der Schiffe sind der Forschungsschifffahrt, der Schleppschifffahrt und anderen Bereichen zuzuordnen. Die Gesamtzahl der in Bremen bereederten Schiffe liegt bei 340. Ohne dass dramatische Unternehmensinsolvenzen zu beklagen wären, ist die Zahl der in Bremen bereederten Schiffe damit leicht rückläufig. Dies entspricht dem allgemeinen Trend in der deutschen Seeschifffahrt und ist angesichts der weltweiten Schifffahrtskrise nicht verwunderlich. Insgesamt aber zeigt sich der Schifffahrtstandort Bremen in der Krise und trotz der Krise als stabil. Der Verzicht auf die spekulative Bestellung von Tonnage in der Vergangenheit und die solide Kaufmannschaft, die gleichzusetzen ist mit Seriosität und Verlässlichkeit, halten die Reeder mit ihren Schiffen im Markt.
Redaktion: JSL
erstellt am 01.06.2013 
http://www.wirtschaftszeitung.info/schifffahrtskrise-und-keine-ende-in-sicht_2_530.html

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